Exkursion nach Cardiff / Ymweliad â Chaerdydd
Ende Mai konnten zehn Studierende und zwei Lehrende der Abteilung für Keltologie die Hauptstadt von Wales besuchen und erleben, wie lebendig und vielseitig die walisische Kultur heutzutage ist.
Die Bonner Keltologie befasst sich mit den keltischen Sprachen, mit einem Schwerpunkt auf der Moderne. Es ist immer eine besondere Erfahrung, die Sprache und Kultur vor Ort zu erleben. Daher war es eine große Freude, dass eine Gruppe von Studierenden zusammen mit Elena Parina und Jasper Kaufhold Ende Mai auf eine Entdeckungsreise nach Cardiff fahren konnte – mit der finanziellen Unterstützung des Instituts für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie. Das vielfältige Programm, das Einblicke in Literatur, Kultur und Politik von heute ermöglichte, ist durch das Engagement der Kolleg:innen vor Ort entstanden Diolch o galon i chi y gyd! (Elena Parina)
Dydd Llun, yr 25ain o Fai
Der erste gemeinsame Tag unserer Exkursion begann mit einer von Dr. David Callander geleiteten Tour durch das Zentrum von Cardiff. Dabei bekamen wir nicht nur die schönen Arcades zu sehen, sondern durften auch leckere Welsh Cakes probieren. Anschließend stand ein Besuch des Cardiff Castle (Castell Caerdydd) auf der Tagesordnung. Die mittelalterliche Burg mit dem anliegenden Herrenhaus und einer sehr schönen Statue von Paddington, die sich als begehrtes Fotomotiv erwies, beeindruckte nicht nur durch die normannischen Bauten, sondern auch durch die eindrucksvolle Bibliothek und den „Arab Room“.
Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir dann Llandaff mit dem Brunnen des heiligen Teilo und der Kathedrale von Llandaff (Eglwys Gadeiriol Llandaf), die als eine der ältesten christlichen Stätten in Großbritannien gilt und wo man unter anderem die Skulptur „Christ in Majesty“ (Iesu Grist yn Ei Fawrhydi) sehen kann. Am Ende des Tages trafen sich die Studierenden zum Abendessen in einem indischen Restaurant. (Lucille)
Dydd Mawrth, yr 26ain o Fai
Am Dienstag ging es zum St Fagans National Museum of History, einem kostenlosen Freilichtmuseum mit Rekonstruktionen von steinzeitlichen Bauwerken, aber auch originalen Gebäuden, die auf dem Gelände sorgfältig wieder aufgebaut worden sind. Es gibt dort Rundhäuser aus der Eisenzeit, den Fürstenhof Llywelyns, Nachbildungen typischer Lebensräume aus verschiedenen Epochen sowie verschiedene Ausstellungen, etwa zum Thema Handwerk. So gab es viel zu entdecken. In Kleingruppen erarbeiteten wir verschiedene Aspekte walisischer Alltagskultur im Wandel der Zeit, etwa anhand der Kirche von St. Teilo, des Vulcan Hotels, verschiedener Farmhäuser und der historischen Schule. Zuletzt gab es noch einen Blick in die aktuelle Ausstellung „Wales is …“, die die moderne walisische Gesellschaft in vielfarbigen Facetten darstellt – von Mode und Sport über queere Identität bis hin zur asiatischen Diaspora. Ein Gespräch mit den hilfsbereiten Mitarbeiter:innen des Museums lohnte sich ebenfalls, es gibt faszinierende Geschichten zu hören – besonders auf Walisisch! (Sam-Hong)
Dydd Mercher, yr 27ain o Fai
Am Mittwoch trafen wir uns mittags bei der Art & Social Studies Library der Universität Cardiff, wo uns im Untergeschoss Dr. Lisa Tallis zu einer Führung durch die Special Collections & Archives erwartete. Das ist eine einzigartige Sammlung, die unter anderem die Salisbury Library umfasst – eine frühe Sammlung von walisischsprachigen Büchern und Büchern, die etwas mit Wales zu tun haben. Dr. Tallis führte uns zunächst in die sonst verschlossenen Magazinräume, wo wir nicht nur etwas über die Geschichte der Bibliothek erfuhren, sondern auch kostbare Raritäten anfassen und anschauen durften. Im Anschluss konnten wir eigenständig eine Auswahl an besonderen Drucken entdecken, wobei sich die Mitarbeiter:innen mit ihrem beindruckenden Wissen jeder Frage stellten. Danach wurden wir durch das Labyrinth des benachbarten Universitätsgebäudes zur Ysgol y Gymraeg geführt, wo wir von Dr. David Callander etwas über das Myrddin / Welsh Merlin Poetry Projekt erfuhren. Im Anschluss berichtete uns Dr. Rebecca Thomas über ihre Tätigkeit als Forscherin und Autorin von walisischen Büchern. Dann begaben wir uns in den Buchladen “Cant A Mil” („Hundert und Tausend“, in Anlehnung an hundreds and thousands, also Zuckerstreusel). Der Buchladen ist auf walisischsprachige Bücher spezialisiert und wir bekamen von Jo Knell einen Einblick in Publikation und Verkauf von walisischsprachiger Literatur. (Sam-Hong)
Dydd Iau, yr 28ain o Fai
Am Donnerstag kehrten wir an die Universität Cardiff zurück für einen Vortrag von Professor Richard Wyn Jones über die aktuelle politische Situation in Wales. Drei Wochen zuvor, am 7. Mai, hatten die Parlamentswahlen in Wales stattgefunden. Dabei gewann Plaid Cymru und sicherte sich 43 von 96 Sitzen im Senedd – ein historisches Ereignis, weil die Labour Partei seit 1922 bis 2026 durchgehend die stärkste Partei war. Professor Jones, der viel zur Plaid Cymru geforscht hat, veranschaulichte die Bedeutung der letzten Wahlergebnisse und kontextualisierte die politische Landschaft von Wales. Damit konnten die Studierenden einen aktiven Zugang zur Diskussion finden und Parallelen zwischen den politischen Herausforderungen der Länder ziehen. Im Anschluss führt uns Professor Jones durch den Gebäudekomplex in Cathays Park, der das Nationsbildungsprogramm des 19.-20. Jahrhunderts eindrucksvoll illustrierte.
Am Abend waren wir in Cardiff Bay, wo wir vor dem Millenium Centre unser hufen iâ („Eis“) aßen und an dem am Morgen so viel diskutierten Senedd ein Abschlussbild machten. (Georgia und Jasper)
Diolch o galon an alle, die uns auf dieser Reise Einblicke in das Leben in Wales geschenkt haben!
P.S. Ein wichtiges Mitglied der Exkursionsgruppe war das FA-Maskottchen Cwtch, der kurz in seine Heimat zurückkommen durfte. Ihn findet ihr auf vielen unserer Bilder.