Universität Bonn

Celtic Studies

Keltologisches Kolloquium und Verabschiedung von Gisbert Hemprich

Am Abend des 4. Februar 2026 konnte man in der Rabinstraße 8 ein seltsames Phänomen beobachten: Rund 40 Leute zeigten eine unerwartet große Begeisterung für frühneuirische Texte und kamen zu dem Vortrag „Irlands Geschichte am Scheideweg: Was uns die Handschrift TCD H.2.7 verrät“ von Lenore Fischer und Gisbert Hemprich. Der Vortrag war der Rezeption des irischen Königs Brian Bóroimhe anhand eines Textes  aus dem 15. Jahrhundert gewidmet, an dessen Edition die Vortragenden seit vier Jahren akribisch arbeiten. Zur Überraschung der Zuhörenden wurde der Vortrag in theatralischer Form geboten: Als Dialog zwischen einem patriotischen Gälen (LF) und einem Anglo-Normannen, nämlich dem Autor des Textes selbst, Uilliam Mac an Leagha (GH).

Das sehr lebendige und unterhaltsame Format führte das Publikum durch mehrere Jahrhunderte irischer Geschichte und die wechselnden Interpretationen der Rolle des Brian Bóroimhe darin. Dies war eine sehr aufschlussreiche Perspektive auf die Schichten der irischen Gesellschaft. An den Vortrag schloss sich eine sehr lebhafte Fragerunde an.

Danach geschah etwas, wovon einer der Vortragenden, nämlich Gisbert Hemprich, nichts ahnte: Die Zusammenkunft war nämlich nicht nur dem Vortrag selbst gewidmet, sondern auch der Verabschiedung und Würdigung eines geschätzten Dozenten und Mitarbeiters, der zum Ende des Wintersemesters offiziell in den Ruhestand geht. Viele ehemalige und aktuelle Studierende, Kolleginnen und Kollegen waren erschienen. Zuvor waren sie bereits begeistert dem Ruf aus der Abteilung gefolgt, zu einem Abschiedsbuch beizutragen, das in Form und Gestaltung einer mittelalterlichen irischen Sammelhandschrift nachempfunden war. Die Beiträge kamen aus Irland, der Bretagne und allen Ecken Deutschlands. Die Freude, Phantasie und der Enthusiasmus, der dabei zutage trat, sind ein klarer Beweis für den Einfluss, den Gisbert sowohl hinsichtlich keltologischen Wissens als auch auf menschlicher Ebene in den Jahren seines akademischen Wirkens in Bonn auf viele ausgeübt hat

Den Rahmentext des „Leabhar Glas Bonn“ bildete eine Heldenbiographie nach altirischem Vorbild, mit zahlreichen Glossen, Scholien und Marginalien versehen, geschaffen von den vier Meister:innen Irene Balles, Elisabeth Brendes, Jasper Kaufhold und Elena Parina. Ein paar Auszüge aus der Handschrift finden sich hier unten.

Die Abteilung für Keltologie dankt allen, die an dieser kreativen Würdigung beteiligt waren, und auch allen, die persönlich an dem Abend gekommen sind und diesen so besonders gemacht haben.

Unsere Dankbarkeit gegenüber Gisbert für seine Hingabe, seine keltologische Lehre, die Maiwanderungen, seinen Unterricht in Typographie, Sachkultur und Pflanzenpflege lässt sich nicht in Worte fassen. Aber wir hoffen, dass er uns auch in seinem Ruhestand immer wieder besucht und wir noch viel Schönes gemeinsam unternehmen werden.

Go raibh míle maith agat, a Ghisbert, a chara!

Elena Parina

Ein Ausschnitt aus Laoi do Ghisbert Hemprich von Mícheál Ó Flaithearta:

(Strophe 1)
Tá aithne agam ar Ghisbert le fada fíorach an lá
Ina mhacléinn taistil i nGaillimh, casadh orm é daichead bliain go ham
Níor athraigh sé mórán ach níos críonna atá sé ag fáil
Le togha na Gaeilge agus canúint Schwäbisch thar barr!

(Strophe 3)
Bhí comhghleacaithe againn beirt céad faraor tá siadsan ar lár
Steve Tranter is Watson, Joachim Thurow gan ach triúr a rá
Idir Thurneysen is mise is Gisbert sin Triade dár fia
Tháinig an lucht léinn ba chliste ó Freiburg go Bonn aníos!

Ein Ausschnitt aus Óráid do Ghisbert von Jasper Kaufhold:

(Strophe 1)
Gisbert gaiscíoch na Gaeilge glé
glic, léachtóir laochúil na mac léinn
léann is cultúr ar a chlé
clú is críonnacht dá ainm féin.

(Strophe 5)
Léachtóir ag léamh seanchló slán,
cláirseach idir na línte léinn
ag sníomh na bhfocal go clár
ag ceangal ciall go céim ar chéim.

Ausschnitt Heldenbiographie:

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